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Vorstandsvorlage

Arzt bleibt Arzt – auch mit Kurzärmeln

Eine neue Arbeitskleidung ist in der Regel kein Thema, das Menschen besonders bewegt. Geht es jedoch um den Arztkittel, ist die Aufmerksamkeit groß – nicht nur bei den Betroffenen. Asklepios schafft den Arztkittel ab und stellt auf Kurzarmbekleidung für Ärzte um, das haben wir Anfang Februar gemeldet und damit eine beispiellose Berichtswelle in allen Medien ausgelöst. Unsere Haltung ist dabei so einfach wie klar: Uns geht es um Hygiene und Patientensicherheit.

Studien haben gezeigt, dass auf langärmeligen Kitteln häufiger Krankheitserreger festgestellt wurden. Was liegt also näher, als den Arztkittel durch eine Kurzarmbekleidung zu ersetzen? Der Mehrheit leuchtet das ein. Das zeigen uns die zahlreichen positiven Reaktionen in den Medien, aber auch von Patienten und Social Media Nutzern. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat unser Vorhaben in der Bild Zeitung gelobt. Und nicht nur die Berliner Charité „prüft diesen interessanten Verbesserungsvorschlag“ (Berliner Kurier). Das Hamburger Abendblatt hat seine Leser abstimmen lassen, ob sie es bedauern, dass der Arztkittel abgeschafft wird. Knapp zwei Drittel der rund 4.000 Teilnehmer der Online Umfrage haben das klar verneint. Ein ähnliches Umfrageergebnis gab es bei der „Ärzte Zeitung“. Hier haben immerhin fast 75 Prozent von rund 800 Teilnehmern – mutmaßlich in der Mehrheit Mediziner – ebenfalls die Abschaffung der klassischen Arztkittel begrüßt.

Verteidiger des langärmligen Visitenmantels argumentieren gern mit einem Placeboeffekt, also der angeblich positiven Wirkung des Arztkittels auf den Genesungsverlauf des Patienten. Nicht selten wird der Kittel auch als Statussymbol gerühmt, das den Arzt optisch unverkennbar von der Pflegekraft abhebe. Einzelne Krankenhäuser ließen verlauten, dass ihr Hygieneschwerpunkt auf der Händedesinfektion liege – als ob das eine zu tun das andere zu lassen bedeuten würde. Und wieder andere verwiesen darauf, dass ihre Ärzte ohnehin angehalten seien, vor der Behandlung des Patienten den Kittel abzulegen und meinen damit, diesem Risiko Genüge getan zu haben. Das beliebteste Argument jedoch ist, dass die Keime auf dem Arztkittel zwar feststellbar sind, aber ein Beweis für eine Übertragung auf Patienten fehle. Überzeugend ist all das nicht. Und das Fehlen eines eindeutigen Beweises ist erst recht keine stimmige Begründung, an langen Ärmeln festzuhalten.

Ich meine, dass in der Medizin der Grundsatz gelten sollte: Im Zweifel für mehr Sicherheit – auch wenn der wissenschaftliche Beweis noch aussteht. Ein potenzielles Übertragungsrisiko ist ein Risiko, das es im Interesse des Patienten zu vermeiden gilt. Und selbstverständlich bleibt die Händedesinfektion vor dem Patientenkontakt die wichtigste Hygienemaßnahme, die ohne lange Ärmel sicherlich noch zuverlässiger gelingt. Das Kittelverbot am Patientenbett werde auch nicht zur Destabilisierung des Berufsbildes führen, beruhigte unlängst Gudrun M. König, Professorin für Kulturanthropologie im „Spiegel“. Eine Erfahrung, die andere Länder wie England bestätigen können. Hier wird dem Patienten schon seit Jahren in Kurzarmbekleidung gegenübergetreten. Ein Arzt bleibt eben ein Arzt, ob mit wehendem Kittel oder im Kasack, und als solcher wird er auch mit allen positiven Nebeneffekten wahrgenommen.


Autor
Dr. Ulrich Wandschneider
Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der Asklepios Kliniken


Beitragsbild:
Colourbox